Globale Ungleichheiten, (Im)Mobilitäten und Migrationsgesellschaften: Postmigrantische Perspektiven
Jahrestagung des Rats für Migration 2024
Aus einer postmigrantischen Perspektive ist Migrationsforschung eine übergreifende Auseinandersetzung mit den herrschenden Machtverhältnissen in lokalen, nationalen, europäischen und globalen Kontexten. Das Postmigrantische bedeutet ein offenes und ganzheitliches Denken über (Im)Mobilitäten und Migrationsgesellschaften. Es beinhaltet, sich mit diskriminierenden und rassistischen Strukturen auseinanderzusetzen und macht Mehrdeutigkeiten und marginalisierte Perspektiven sichtbar, die nicht an den Rändern zu verorten sind, sondern Ungleichheiten von der globalen bis hin zur lokalen Ebene zum Ausdruck bringen. Vor diesem Hintergrund gilt es, (Im)Mobilitäten und Ankommen aus unterschiedlichen (auch weltgesellschaftlichen, postkolonialen, dekolonialen und subalternen) Perspektiven und Disziplinen neu zu denken, ein zukunftsweisendes und solidarisches Verständnis von Migration und Gesellschaft zu etablieren und eine andere Topographie des Möglichen zu entwerfen.
Postmigrantische Perspektiven werden in der Wissenschaft momentan vor allem für die Auseinandersetzung mit Migrationsgesellschaften herangezogen und inspirieren künstlerische Aktivitäten genauso wie soziale Bewegungen. Diese Tagung will diese existierenden Konzepte verbinden mit der gleichzeitig zunehmenden Forschung zu globalen Ungleichheiten und (Im)Mobilitäten, die den migrationistischen Fokus genauso hinter sich gelassen hat. Statt auf eine Gruppe mobiler Menschen zu fokussieren, betrachtet sie deren ungleiche Behandlung vor dem Hintergrund globaler Mobilität. Können postmigrantische Perspektiven einen gemeinsamen Nenner bilden, um diese unterschiedlichen Forschungsansätze zusammenzudenken? Und wie müsste die Theorie neu gedacht werden, um das zu ermöglichen?
Gleichzeitig will die Tagung dazu auffordern, postmigrantische Perspektiven im gegenwärtigen Kontext zu entwickeln. Glokale und weltweite Polykrisen befördern nationale Polarisierungen und postfaktische Ideologien, die nicht nur in Österreich mit steigender anti-migrantischer Mobilisierung und einem politischen Rechtsruck einhergehen. Wie kann aus postmigrantischer Perspektive auf diese Herausforderungen reagiert werden, und wie kann die postmigrantische Forschung sich stärker in den öffentlichen Diskurs einbringen?
Vor diesem Hintergrund stehen folgende Fragestellungen im Zentrum der 8. Jahrestagung zur Migrationsforschung: Welchen Herausforderungen und Themenfeldern steht die Migrationsforschung im 21. Jahrhundert gegenüber? Was bedeutet eine kritische Migrationsforschung angesichts weltweiter Polykrisen, gesellschaftlicher Spaltungstendenzen und postfaktischer Politiken? Welche kreativen und neueren methodologischen und methodischen Herangehensweisen gibt es in der aktuellen Migrationsforschung? Inwieweit bewegt und bildet die Kunst den Migrationsdiskurs? Welche diversitätsbewussten und inklusiven Praxen in migrationsbezogenen Handlungsfeldern lassen sich ausmachen und wie werden diese umgesetzt?
Datum und Zeit
18.-20. September 2024
Veranstaltungsorte
Universität Innsbruck
